Spielberichte

SK Arnstein - TSV Lengfeld

Zu viele Gislason beim Schachwettkampf in Arnstein

Schach ist ein gar wundervoller Sport und noch ein gar wunderprächtigeres Spiel. Das Spiel der Könige. In ihm bündeln sich bedachtes Spiel und Kühnheit, Gelassenheit mit konsequentem Vorwärtsdrang, blitzschnelles Reagieren mit „In der Ruhe liegt die Kraft!“. Also man kann auch sagen: Gegensätze ziehen sich an bzw. eigentlich Widersprüchliches bedingt einander und verleiht den 64 Feldern mit den 32 Steinen zum Großteil seinen Reiz. Gut wäre dann allerdings, wenn man stets im rechten Moment die richtige Entscheidung trifft. Manchmal ist auch die falsche Entscheidung im rechten Moment richtig, manchmal auch die richtige Entscheidung im falschen Moment richtig. Aber die falsche Entscheidung im falschen Moment? Das ist fatal. So wie unser Handball-Bundestrainer am Samstag beim Spiel gegen Serbien im allerfalschesten Moment die allerfalscheste Entscheidung durch Drücken des Auszeitknopfes das Spiel entscheidend beeinflusst hat. Leider haben wohl zu viele Lengfelder dabei zugesehen und das am Sonntag nachgeahmt. Zu oft im falschesten Moment die falsche Entscheidung getroffen und so wird aus einem zwischenzeitlich potenziellen (knappen) Sieg eine deutliche Niederlage.

Den positiven Anfang macht unser Hoffnungsträger David Eisenmann. Mit eisernen Nerven profitiert er im „schottischen Vierspringerspiel“ (Ich wusste gar nicht, dass es in Schottland so viele Pferde gibt. Springen da nicht viel mehr Hirsche in den Highlands umher? 😊) von einem Arnsteiner „Gislason-Moment“ und kann einen Springer gegen zwei Bauern (man müsste eher „Tuathanach“ schreiben, das gälische Wort für Bauer) gewinnen. Und ohne allzu große Risiken einzugehen, ist er mittlerweile schon so erfahren und abgezockt, dass er intuitiv den Gegner bei dessen schwachen Hörnern auf dem Damenflügel packt, die Dame mittels des nächsten Tuathanach piekst und es schamlos ausnutzt, dass Schwarz sich erdreistet, einen vermeintlich ungeschützten Tuathanach Davids mit seinem Läufer einzuverleiben, um dann aber stante pede aufzugeben, als David mit seinem Turm diesen vorlauten Läufer befragt, der aufgrund einer Fesselung nicht mehr willens ist, zu ziehen. Statt die Dame zu verlieren, gibt er gleich auf. Wir führen 0:1.

Bei Günter scheint es so zu sein, dass er sich mit dem Spiel seines Gegners kein bisschen anfreunden kann. Dem Damentausch bereits im 6. Zug folgt nach Günters 0-0-0 die Aufsplitterung der schwarzen Bauernstruktur auf dem Damenflügel mittels La4xSc6 nebst b7xLc6. Was zur endgültigen Schwäche wird, als Günter diese a-Linie durch Le6xSb3 und a2xLb3 für die weißen Türme öffnet. Die Schwäche auf Günters Damenflügel führt nicht automatisch zum Verlust. Aber im Zusammenspiel mit dem Raumvorteil auf dem Königsflügel durch den nach f5 schleichenden Bauern sind nun zwei mittelgroße Brandherde in Günters Stellung entbrannt. Der weißen Turmverdoppelung auf der g-Linie kann Günter nichts Wirksames entgegensetzen. Und so dauert es nicht mehr lange, da fällt zuerst der schwarze g-Bauer auf g7 und wenige Züge später auf e5 der zweite Bauer Günters. Ergebnis nach gut 2 Stunden 1:1

Mit ihrer Eröffnungswahl kommen Manuel und sein Gegner dem königlichen Spiel am nächsten – Königsindisch im klassischen System. Ruhig und solide beidseitig. Weiß agiert auf dem Damenflügel, Schwarz auf dem Königsflügel. Die Bauern verschachteln und verzahnen sich ineinander. Nach dem 20. Zug sind noch alle 16 ihrer Art quietschfidel auf dem Brett unterwegs. Da wird ein Bauer dem anderen keine Mistgabel mehr ins Auge stechen. Nur zwei Leichtfiguren haben sich vom Acker gemacht – und das im Austausch. Man will sich ja nicht wirklich weh tun. Und so einigt man sich nach gut 2 ½ Stunden auf ein gerechtes Remis zum 1 ½:1 ½.

Die spektakulärste Partie liefert Heiko. Gemäß den Motti „Rochade ist nur was für Feiglinge“ und „Zeit ist wichtiger als Raum ist wichtiger als Material“ entwickelt sich aus einer soliden Philidor-Verteidigung ein Hauen und Stechen auf den jeweiligen Flügeln. Weiß kann zunächst am Damenflügel durch das Öffnen der a-Linie in die Offensive gehen. Heikos Vorposten (Bauer auf c4) wirkt ein wenig zu forsch da vorne und wird auch prompt von Weiß attackiert. Heiko bekommt dafür den weißen Bauern auf b2 und legt damit dem Gegner den Ball auf den Elfmeterpunkt: Tf1-b1 (Gardéz gegen Dame b2 und Spießangriff auf Tb8) kostet Heiko die Dame gegen Turm und Springer, um das Matt zu verhindern. Aber dann dreht Heiko („Ich hab‘ ja nix mehr zu verlieren!“) erst richtig auf. Noch ein Turmtausch? Egal. Die Fesselung auf des Gegners Grundreihe – in Form eines Springers - wird in Augenschein genommen, die weiße Königsflügelbauernstruktur in ihren Schwächen erkannt und mit Bauern auf g3 und h4 werden die Sargnägel schon mal in Position gebracht. Trotz Materialvorteils ist die weiße Stellung nicht mehr zu retten. Kg1, Sf1, Bauern auf h3, g2 und f3 gegen Tb1, Bauern auf g3 und h4. Jetzt muss nur noch der schwarzfeldrige Läufer in die Gänge kommen und die Diagonale gen Kg1 besetzen. Und dann? Und dann? Dann läuft ein lange vor sich hin schlummerndes schwarze Bäuerchen auf der a-Linie gemächlich nach vorne. Der weißen Dame erst leise und dann immer lauter zurufend und winkend. „Hallo, h a l l o, H A L L O, da bin ich! Halt mich, nur ein bisschen, bis ich mich umwandeln kann……“ Aber das tut sich Weiß nicht mehr an und nach knapp 3 Stunden steht es tatsächlich 1 ½ : 2 ½.

Den absoluten Gislasonhammer lande ich in meiner Partie. Abgelehntes Königsgambit. Und so können meine Bauern auf dem Königsflügel nach vorne wandern, nachdem Schwarz seinen Springer von f6 nach d7 zurück manövriert hat. Im 19. Zug stehen meine Königsflügelbauern auf f5-h5. Die schwarzen Pendants auf f7-h7. Welch ein Anblick. Daran kann man sich ergötzen. V. a. wenn man bedenkt, dass die schwarzen Türme sich auf e8 und g8, Läufer auf e7, Springer auf f8, die Königin auf d7 und der König auf h8 tummeln. Kommentar von „Fritz“: Schwarz hat eine etwas gedrückte Stellung 😊. Jeglicher Bauernzug des Schwarzen auf dem Königsflügel würde binnen 3 Zügen die schwarze Verteidigung zur Implosion bringen. Aber wie nun diesen Wall knacken? Mit den Schwerfiguren alleine wird das wohl nichts. Die Kavallerie muss anrücken. Jedoch eröffnet Sc3-e2 Schwarz die Möglichkeit zu d6-d5. Die Stellung öffnet sich etwas im Zentrum und auf dem Damenflügel. Meine Berechnung, dass ich mit einem Plusbauern daraus hervorgehe, erweist sich als Irrtum. Aber immerhin wird mir wohl die halboffene a-Linie für spätestens das Endspiel zufallen, um dann die schwachen und isolierten schwarzen a-Bauern niederzumachen. Meine fehlende Geschicklichkeit, auf dem Königsflügel oder im Zentrum die richtigen Manöver durchzuführen, rächt sich darin, dass Schwarz Luft zum Atmen auf der dann offenen e-Linie bekommt. Ich muss das Zentrum wieder unter Kontrolle bekommen. Mein Springer möchte nach e4 – ein Bombenfeld. Kein schwarzer weißfeldriger Läufer mehr da, kein gegnerischer Springer, kein Bauer, der ihn da so schnell vertreiben könnte. Nur wann? Wann ist der richtige Moment dafür? Man muss den richtigen Moment abpassen. Und tatsächlich, er kommt. Er kommt in dem Moment, als Schwarz mittels Dd7-a4+ Schach bietet. Zwar könnte sich mein König von g4 nach h3 zurückziehen. Aber es gilt: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Also Sg3-e4. Was soll passieren. Der schwarze Turm auf e3 ist abgeschnitten, Se4 von Bd3 geschützt. Also verbietet sich Te3xSe4. Mein Gislason-Moment ist da. Zufrieden erhebe ich mich, um nach einigen Sekunden zurückzukehren und das Malheur zu erkennen. Te3xSe4+ und unabwendbares Matt binnen max. 3 Zügen. Te4-h4≠ ist nicht zu verhindern. Und so wird nicht nur aus einer mindestens vorteilhaften Stellung für mich eine schmerzhafte Niederlage. Nein, statt 1 ½ : 3 ½ steht es nun 2 ½ : 2 ½. Wahrlich ein Bärendienst…..

Sergey bietet an diesem Tag wieder die gesamte Breite an Aufs und Abs, die das Schach so mit sich bringt. Seine Eröffnung müsste zwar statt „Geschlossener Sizilianer“ eher „unorthodox geschlossener Sizilianer“ heißen. Sei’s drum – er kann nach 20 Zügen auf einen Mehrbauern und eine stark vorteilhafte Stellung verweisen. Einzig und allein der schwarze - und mittels Bc5 verankerte – Freibauer auf d4 hält die Hoffnung der schwarzen Steine aufrecht. Und leider nicht ganz zu Unrecht. Sergeys erster Gislasonmoment kommt (er verfügt derweil über 1,5 Mehr-, da Doppelbauern), als er seinen eigenen Freibauern auf e4 in höchster Zeitnot vom Brett ersatzlos verschwinden sieht. Dann der zweite dieser Art und Schwarz kann auf Sergeys 3. Reihe durch ein Turmschach einen Bauern gewinnen. Fazit: Zwar Materialgleichheit, aber der schwarze Freibauer auf d4 und die aktive Königsstellung des Schwarzen lassen Schlimmes befürchten. V. a. als Sergey seinen Gislasonmoment par excellence erlebt: Tg3-g2+ und Sergey zieht tatsächlich Kd2-c1 - statt Kd2-d3. Und quasi 3 Züge später ist es endgültig gelaufen. Das Rennen der Freibauern entscheidet Schwarz für sich zum 3 ½ : 2 ½ für den Gastgeber.

Auch auf Stefans Partie hat Herr Gislason Einfluss – leider nicht nur einmal. Aber dazu später. Dass es in einer Französischen Verteidigung zu einer weißen 0-0-0 kommt, ist recht selten. Aber dass Schwarz dem nachfolgt, wohl noch seltener. Was soll’s. Nach wenigen Zügen also eine Doppel-0-0-0 und zwei grundsolide Stellungen. Bei Weiß müsste nur noch der d-Bauer ins Spielgeschehen eingreifen, um die Entwicklung zu vollenden. Bei Schwarz scharrt noch der Königsläufer im Stall und will sich endlich auf der offenen Prärie breit machen. Vielleicht auf c5? Vor d2-d4 muss man keine Angst haben, es gibt genügend Ausweichfelder. E7 wäre auch noch akzeptabel. Na gut, dann eben den Mittelweg: Lf8-d6. Und schon lässt Herr Gislason grüßen. Durch das frühzeitige f7-f6 war, ist und wollte Be6 die Gislasonferse bleiben – nur durch Dc6 geschützt. Und schon ist alles aus. Mehr oder weniger. Nicht nur, dass durch De1xe6+ dieser wichtige Zentrumsbauer sein Ende erleben muss. Viel schlimmer ist noch, dass auch im Nachgang mittels De6xSd5 Stefan mit einem Springer und einem Bauern weniger spielen muss. Prinzipiell aufgabereif. Aber so leicht will es Stefan seiner Gegnerin nicht machen. Den richtigen Gewinnweg scheint Weiß auch nicht wirklich vor sich zu sehen. Turmabtausch zu erzwingen wäre eine Möglichkeit, wohl die effektivste. So ziehen die Läufer und Türme hin und her oder auch mal her und hin. Oder gar kreuz und quer. Irgendwie geht für Weiß nicht wirklich was voran. Dreifache Stellungswiederholung wäre auch fast zustande gekommen. Bis dann nach 45 Zügen wieder der Herr Gislason seinen Auftritt hat. Stichwort ungedeckte Figuren. Leider ist Th8-f8 das „traurige Finale“. Te3xLe5 und Aufgabe Stefans, da sich der Rückschlag f6xTe5 wegen Tf4xTf8 verbietet. 4 ½ : 2 ½.

Michael darf sich mit Herrn Cordel aus Spanien herumschlagen – eine für Schwarz geschickte Wahl. Ist doch nicht für jeden Weißspieler so ganz offensichtlich, wo die Fallstricke liegen. Michael lässt sich aber, ganz seine gewohnte Art, von solchen Scharmützeln in keiner Weise beeindrucken, wird sich wohl etwas wundern, warum Schwarz ihm die Gelegenheit verschafft, die weißfeldrigen Läufer abzutauschen und dafür einen Doppelbauern auf der e-Linie in Kauf zu nehmen. Dass Schwarz dann auch noch das Zentrum mittels d6-d5-d4 quasi verschließt, wird Michael auch erfreut haben, kann er doch nun mittels Lb2-c1 den schwarzen Springer auf f4 ins Visier nehmen. Kostet leider einen Bauern. Nach Sf4xh3 wäre g2xSh3 wegen Tf8xSf3 nicht ganz so prickelnd. Nachdem dann diese beiden Offiziere zügig doch abgetauscht werden, steht Schwarz mit der Bauernkette d4-e5-f4 sehr beeindruckend da. Das wird schwierig für Weiß. Aber nicht unmöglich. Nach Damen- und Bauernabtäuschen kann Michael auf dem Damenflügel letztendlich mit beiden Türmen auf die 7. Reihe eindringen. Sein Springer sollte dem gegnerischen Läufer im Endspiel auch überlegen sein. Und dann ist die Stellung absolut im Remisbereich. Zwar ein Bauer weniger für Michael, dafür aber ein starker Freibauer auf der a-Linie. „Lauf Bauer, Lauf! Renn Bauer, renn! Sprinte Bauer, sprinte!“ mag man ihm zurufen. Da war er wieder, der Herr Gislason. Nur noch 3 kleine Schritte für den Hoffnungsträger, dann nur noch 2. Und das ist ein Schritt zu viel. Michaels König ist gefangen. Nach Lh4-g3+ verbietet sich der Rückzug auf die Grundreihe wegen Td3-d1≠. Und nach Kh3-h4 ist der kleine, aber höchst feine Bauernschritt h6-h5 der Sargnagel für alle Hoffnungen Michaels. Gegen das drohende Mattmanöver Td3-d1-h1≠ verteidigt sich Michael mit Tc6-g6. Leider ein optimaler Hoffnungsschimmer. Schwarz ignoriert den angebotenen Turm einfach und Michael gibt nach Td3-d1 die Partie auf zum 5 ½ : 2 ½.

Leider hat sich auch in Arnstein die alte Schachweisheit „Der letzte Fehler verliert die Partie“ zu oft bewahrheitet. Hätten wir nach 1,5 Stunden alle Partien beendet, wären wir mit mindestens 4 ½ : 3 ½ auf der Siegerstraße gewesen. Aber so stehen wir in den beiden kommenden Wettkämpfen gegen Rottendorf 2 und Kitzingen 4 wahrlich mit dem Rücken zur Wand. Gegen die Wand kann man nicht gewinnen. Aber gegen Rottendorf und Kitzingen. Und wir werden es!

 

Ufr. Jugendeinzelmeisterschaft

vergangenes WE fanden die ufr. Jugendeinzelmeisterschaften in Bad Kissingen statt - siehe auch Bericht der ufr. Schachjugend

Teilnehmende mit Trainer

1 Teilnehmerin (U14 - Marie-Eleni Schaab) und 2 Teilnehmer (U 10 - David Eisenmannaus und U 12 - Danile Deng) aus Lengfeld waren auch dabei.

Durchaus erfolgreich.

Eleni erspielte sich bei ihrer ersten Turnierteilnahme mit langer Bedenkzeit den dritten Platz bei der U14w, wobei bei etwas mehr Konzentration zum Ende mancher Partie noch der ein oder andere - zumindest - 1/2 Punkt mehr drin gewesen wäre.

David Eisenmann qualifizierte sich - mit 5 Punkten auf 7 Partien - durch seinen 2. Rang bei der U10 für die bayerische Meisterschaft. Bemerkenswert u. a. dabei war, dass er als einiger gegen den Turniersieger Vitus Siegel seine Partie nicht verlor - einfach stark!

Mindestens genauso beachtlich das Abschneiden von Daniel Deng, der auch sein allererstes Turnier mit langer Bedenkzeit spielte. Auf den ersten 5 Plätzen bei der U12m landeten 5 Spieler mit jeweils 5 Punkten aus 7 Partien. Es mussten also die Buchholzwertung und die verfeinerte Buchholzwertung herhalten, um die entsprechenden Platzierungen zu ermitteln. Von daher ist der 5. Rang für Daniel ein ganz starkes Ergebnis.Daniel und Eleni

 

Der erste Punktgewinn – Misserfolg oder Erfolg?

Wir schreiben das Jahr 2025. Wir befinden uns auf Kurs in die unendlichen Schachwelten. Es ist der 07. Dezember 2025. Ort des Geschehens: Erde, Europa, Deutschland, Würzburg, Lengfeld, Weg zum Sportplatz 8, Manfred-Stahl-Raum (oder einfach ausgedrückt: Breitengrad 49.7766, Längengrad 9.9006) kurz vor 18 Uhr 00.

Ein gespenstische Szenerie ist zu beobachten. 4 Personen unterschiedlichen Alters, verteilt an 2 Tischen, den Kopf jeweils nach vorne gebeugt und über eine unterschiedlicher Anzahl an Spielsteinen, die auf einem quadratischen Brett scheinbar völlig unsystematisch verteilt sind, brütend. Begleitet werden sie nur von 2 speziellen Uhren, die scheinbar rückwärts laufen (als würde man die Zeit zurück drehen können?). Und um diese 4 Spieler herum – ebenso in gespenstischer Stille – halten sich weitere ca. 10 Personen auf, die gedankenschwer den 4 Protagonisten irgendwie beim Denken zusehen. Hin und wieder geschieht tatsächlich unglaubliches. Einer der 4 bewegt eine seiner Hände, greift sich eine seiner eigenen (mal die weißen, mal die braunen) Spielsteine, bewegt sie sachte von einem auf das andere Feld. Ggf. nicht ohne die gegnerische Figur, die bis dato dieses Feld innehatte, vom Brett zu entfernen. Anschließend wird einer der beiden Wippenflügel, den diese seltsame Uhr aufweist, gefühlvoll nach unten gedrückt, eine seltsame Zahlen- und Buchstabenkombination zu Papier gebracht und sich dann erst einmal nach hinten gelehnt. Nun wechselt das Prozedere auf die Gegenseite des Brettes. Und die Zuschauer? In Fachkreisen Kiebitze genannt. Sie wiegen den Kopf, mal erschüttert, mal zuversichtlich.

Und wie lange geht das alles schon? Ca. 4 Stunden – ursprünglich waren es 16 Personen, an 8 Brettern verteilt. Immer wieder war diese konzentrierte Prozedur an den Brettern zu beobachten. Bis dann doch hin und wieder man sich die Hand reichte, diese seltsame Uhr, die man auf Knopfdruck zum Stillstand bringen konnte, abschaltet. Und das Geschehen erst an dem einen, dann an dem anderen, dann an fast allen Brettern zum Erliegen kam. Manch einer konnte es dann kaum erwarten, den Ort des Geschehens schnurstracks zu verlassen – zumeist wohl aus Enttäuschung oder Wut auf sich selbst.

Schluss-Partie

Was macht aber nun gerade nach 18 Uhr das noch dramatischer? Nun ja, die 1. Mannschaft des TSV Lengfeld 1876 liegt gegen die Gäste aus Zellingen/Erlabrunn mit 2 ½ : 3 ½ Punkten im Rückstand. Also wäre es wundervoll, würde einer der beiden Stefans einen Sieg erreichen und der andere zumindest nicht verlieren. Leider ist die Partie Stefan Memmels nicht wirklich verheißungsvoll, einen Sieg zu erreichen. Stefan Röhrs Stellung fast noch weniger. Auch wenn er scheinbar – auf Grund des Materialvorsprungs – besser steht als sein Gegner. Doch der Schein trügt. Stefans König ist der gegnerischen Schwerfiguren fast schutzlos ausgesetzt, der eigene Offizier auf f3 von der gegnerischen Königin gefesselt. Dazu kommt noch der schwarze Springer, der voller Vorfreude von c4 nach d2 hüpft. Solch einen Springerzug sieht man selten. Das edle Ross bedroht von d2 nicht sein armes, weil gefesseltes, Pendant. Nein, auch die Dame auf b3 und der Turm auf f1 werden auf die „Hörner“ genommen. Wie soll man da nur heraus kommen? Nach einer – deutlich mehr als halben – Ewigkeit entscheidet sich Stefan, den Angriff auf seine Königin mit einem Gegenangriff auf deren Pendantin zu kontern. Nach objektiven Kriterien nur der zweitbeste Zug. Nunja, aber er bringt seinen Gegner ins Grübeln. Dazu kommt der Druck durch die Kiebitze bzw. den aktuellen Mannschaftsstand. Sd2xTf1 würde den Vorteil für Schwarz ausbauen. Aber dann ohne Damen gewinnen? Das wird schwierig. Da müsste man in einem Turmendspiel sattelfest sein – und das ohne Springer 😊! Und wie das manchmal so ist. Schach ist halt doch ein Glücksspiel. Und wer etwas anderes behauptet, hat von Schach keine Ahnung. Man darf dem Gegner hin und wieder die Chance zum Fehler geben; er nutzt sie dann. So auch in diesem Fall: Tf8xSf3 sieht spektakulär aus. Doch ist es der letzte Schritt in den schwarzen Untergang. Nach Damen- und Turmtausch verbleiben letztendlich nur noch Stefans Turm und der gegnerische Springer, der binnen zweier Züge vom Pferderiesen zum Shetlandpony mutiert ist. Stefan schiebt noch seinen Turm auf die c-Linie. Um 3 Züge später erst die Hand seines kapitulierenden Gegners und anschließend die seiner Mitspieler in Empfang nehmen zu können, die ihm alle zu seinem spektakulären Sieg gratulieren. Parallel einigt man sich an Brett 5 auf das Remis, sodass der Mannschaftswettkampf mit einem gerechten (?) Remis endet. Ist das ein Erfolg oder nicht? Da muss man wohl die Chronologie des Tages bemühen.

Beide-Stefans

Erst einmal beginnt sie aus Lengfelder Sicht alles andere als positiv. Sergey kommt nicht. Ohne Ankündigung, ohne Entschuldigung. Also völlig indiskutabel und nicht hinnehmbar. Wir müssen die Aufstellung umbauen. Wolfgang R., Peter S. müssen ein Brett aufrücken und Manuel E. wechselt von der 2. Mannschaft in die erste an Brett 8.

So können dann die Uhren endlich gegen 14 Uhr 15 freigegeben werden.

Spielraum

Schon nach gut einer ¾ Stunde ist die erste Partie beendet. Wenn man nicht wüsste, dass Manuel Davids Papa ist, an beider Schachstil ist es unverkennbar: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Familienmotto: Angriff ist die beste Verteidigung. Egal, ob man schon einen Bauern oder gar mehr investiert hat. Solange die Chance besteht, den Angriff fortzuführen, wird das gemacht. Und das auch konsequent und zielgerichtet. Selbst mit 2 Figuren weniger kann man noch attackieren, v. a. wenn die beiden Mehrfiguren auf dem Damenflügel sich verloren vorkommen und zwischen eigener Angriffsmeute und dem gegnerischen König nur noch ein Springer tapfer an des Königs Seite steht. Df3-f6+ ist genau der richtige Zug. Nach Ke7-e8 müsste jetzt nur noch Sh5-g7+ mit Damengewinn folgen. Doch leider entsteht vor Manuels geistigem Auge eine Fata Morgana. Df6-h8+ lässt den eben noch despektierlich erwähnten Springer wie einen Phoenix aus der Asche auferstehen. Sg6xDh8 und Weiß gibt auf – 0:1.

Michael erwischt an diesem Tag gegen unseren ehemaligen Wettstreiter Herbert Pröstler einen „Sahnetag“. Und das obwohl (oder gerade weil?) dieser mit einer Eröffnung aufwartet, die er in all den Jahren bei uns nicht einmal gespielt hat. Ein Gambit ohne Rücksicht auf Verluste. Bereits im 7. Zug steht keiner der Bauern des Königsflügels mehr auf seinem Ausgangsfeld, alle waren oder sind auf der 4. Reihe aufgetaucht. Aber Michael bleibt ganz ruhig, lässt sich auf keine Scharmützel ein, baut um seinen König herum eine Mauer aus Leicht- und Schwerfiguren. Auch ein weiteres Opfer Herberts nimmt er an, ohne dass weitere Gefahren zu erkennen sind. Letztendlich fällt Herbert in die eigene Grube, die er am Damenflügel mit 0-0-0 nebst Dc6xa6 kreiert hat. Tc8-a8 lässt Herbert Michael gratulieren, da entweder Damenverlust oder gar Matt die Folge wären – 1:1

So spektakulär Michaels und Manuels Partien verliefen, so unspektakulär die meinige. Mein Gegner wählt die Abtauschvariante gegen meine französische Verteidigung. Und da keiner von beiden sich auf irgendwelche Sperenzchen einlässt, bietet er mir nach 15 Zügen das erste Mal Remis an. Ich wittere eine klitzekleine Chance, letztendlich Im Endspiel mit 2 Springern gegen 1 Läufer und 1 Springer im Vorteil zu sein, komme aber einige Züge später zu dem Entschluss, dass das mehr Wunsch als Wirklichkeit ist. Also nach 1 ½ Stunden lautet der Spielstand 1 ½ : 1 ½.

2 Stunden dauert Peters Partie. Auch bei dieser Partie hat man keine Angst vor Gambits bzw. Opfern. Auf h6 opfert Weiß seinen Springer gegen 2 Bauern, muss aber beizeiten erkennen, dass das ein optimistisches Opfer war. Also was tun? Genau: man lässt die Bauern auf dem Damenflügel Bauern sein und hofft auf dem Königsflügel auf ein Wunder. Doch das Wunder verhindert Peters Läufer, der die Mattdrohung abwehrt. Läufer muss man haben! Und am besten zwei davon! Dann kann man nicht nur mit einem die Mattdrohung abwehren. Nein – man kann den anderen dazu verwenden, auf e4 den Feindeskönig mattzusetzen. 2 ½ : 1 ½ nach 2 Stunden.

Michael-Peter

Gute Chancen, die Führung auszubauen, hat auch zunächst Wolfgang an Brett 6. Und das gegen den wirklich erfahrenen Michael Peter. Sein Springer kann auf d6 eine Gabel gegen zwei Türme kreieren, sodass er vorteilhaften Materialgewinn erzielen kann. Doch leider nimmt mit zunehmender Spieldauer die Kondition nebst Konzentration ab. Wieder ist ein Springer der entscheidende Faktor auf dem Felde. Kann einen weiteren Bauern Michael erobern, sodass letztendlich auf den d- und e-Linien zwei Bauern sich auf den Vormarsch machen. Wolfgang findet weder Wege noch Mittel diesen Auf- und Vormarsch wirksam zu stoppen. Also 2 ½ : 2 ½ nach 2 ½ Stunden.

Günter findet an diesem Tag nicht wirklich in sein Spiel. Obwohl mit Weiß spielend, kann (nach Einschätzung der Kiebitze) Schwarz alsbald die Kontrolle übernehmen. Irgendwann fehlt Günter 1 Bauer, dann der zweite. So wird es mehr als schwierig. Auch bei Günter sind die Bauern die entscheidenden Faktoren. Die so mächtig werden, dass die Mauern der Königsfestung erst bröckeln und dann einbrechen. Und irgendwann wird der König mattgesetzt, während der Berichterstatter nicht vor Ort ist. 2 ½ : 3 ½ nach gut 3 Stunden….

Und wie beantwortet man jetzt die Eingangsfrage? Mögliche Mannschaftsergebnisse? Von 3:5 bis 5:3. Von daher darf jeder selber entscheiden, ob es ein Erfolg war. Ich denke, die Waage neigt sich leicht zum „ja“. U. a. auch, weil es Peter und Michael deren Siege so richtig Auftrieb geben dürften. Und auch Stefan, der wieder einmal bewiesen hat, dass sich kämpfen lohnt und der letzte Fehler eine Partie verliert.

 

4. Runde am 07.12.: Lengfeld empfängt Zellingen/Erlabrunn

Trotz schwierigem Auftaktprogramm hofft der TSV Lengfeld im Heimspiel gegen Zellingen/Erlabrunn auf die ersten Punkte – auch ohne Bestbesetzung.

Am 7. Dezember trifft der TSV Lengfeld zuhause auf die SG Zellingen/Erlabrunn, aktuell mit 3:3 Punkten im Tabellenmittelfeld. Während die Gäste vor allem gegen schwächere Teams punkten konnten, hatte Lengfeld bislang ein deutlich härteres Programm zu bewältigen.

Trotz einiger Ausfälle ist ein Duell auf Augenhöhe möglich: Mit konzentriertem Spiel und guter Teamleistung will Lengfeld endlich die ersten Zähler der Saison einfahren.

 

Knapp daneben in Rieneck

Auch im dritten Saisonspiel blieb der TSV Lengfeld ohne Mannschaftspunkt – diesmal unterlag man beim SC Rieneck knapp mit 3 : 5. Dabei war durchaus mehr drin, denn der Kampf verlief über weite Strecken völlig offen.

An Brett 8 ging die Begegnung zwar schnell verloren, doch Stefan Memmel sorgte für den Ausgleich. Sergey Melnikov brachte Lengfeld an Brett 6 sogar in Führung, ehe an Brett 4 wieder der Ausgleich fiel. Als Wolfgang Schmidtel seine Partie gewann, lag Lengfeld beim Zwischenstand von 3 : 2 auf gutem Kurs.

In der Schlussphase kippte der Mannschaftskampf zugunsten der Gastgeber. Günter Groß und Matthias Hofmann  verloren ihre Partien. Stefan Röhr kämpfte am 5. Brett noch und lehnte ein Angebot zum Unentschieden ab, weil die Gastgeber bereits mit 4 : 3 führten. Etwas unglücklich verlor er auch seine Partie.

Unterm Strich stand eine ärgerliche 3 : 5-Niederlage, die zeigt, dass Lengfeld auf Augenhöhe mitspielen kann. Mit etwas mehr Glück an den entscheidenden Brettern wäre ein Punktgewinn durchaus möglich gewesen.

 

Respektabler Start gegen den Favoriten KT III

Zum ersten Heimkampf der Saison trat Lengfeld I in Bestbesetzung gegen den Favoriten SC Kitzingen 05 III an. Gegen diesen Gegner war in den letzten Jahren selten etwas zu holen – doch diesmal lag Hoffnung in der Luft.

Ausgeglichener Start

Die erste Stunde verläuft ruhig. Solide Eröffnungen an allen Brettern, keine groben Fehler. Dann aber die erste Schrecksekunde: David Eisenmann übersieht eine Fesselung, verliert den Springer – 0:1.

Kitzingen zieht davon

Kurz darauf gerät Michael Eyring an Brett 4 unter Druck. Ein Doppelbauer auf der g-Linie wird zur Angriffsrampe, die schwarze Dame und der Läufer setzen immer stärker nach. Die Verteidigung hält nicht stand – 0:2.

Auch Sergey Melnikov kämpft lange auf Augenhöhe, doch seine knappe Bedenkzeit wird ihm zum Verhängnis. In höchster Zeitnot übersieht er ein Mattmotiv – 0:3.Michael Eyring und Sergey Melnikov

An Brett 1 steht Matthias Hofmann nach der Eröffnung klar besser. Eine gewonnene Qualität scheint der Weg zum Punkt. Doch der gegnerische Druck auf dem Königsflügel wächst, und ein übersehener Verteidigungszug kostet die Partie – 0:4.

Erster Lichtblick

Dann endlich ein Erfolg: Stefan Röhr spielt eine ruhige italienische Partie, bis er mutig zum Angriff übergeht. Über die offenen f- und g-Linien gelingt ihm ein überzeugender Angriff – 1:4.

Knappe Partien und zwei Remis

Debütant Wolfgang Schmidtel zeigt an Brett 3 eine starke Leistung. Nach einem wuchtigen Angriff auf die gegnerische Grundreihe verpasst er den möglichen Gewinn. Doch sein Gegner schenkt ihm am Schluss mit Dauerschach ein glückliches Remis – 1½:4½.

Auch Günter Groß liefert eine abgeklärte Vorstellung. In einem positionellen Damenbauernspiel ergeben sich kleine Chancen auf beiden Seiten. Günter erarbeitet sich zwischenzeitlich sogar einen Mehrbauern, doch am Ende verflacht die Partie ins Remis – 2:5.

Am Schluss kämpft Stefan Memmel in einer ruhigen Caro-Kann-Partie. Nach frühen Abtäuschen scheint alles auf Remis hinauszulaufen. Doch ein zu weit vorgerückter Freibauer kostet die Partie – Endstand 2:6.Günter Groß und Stefan Memmel

Fazit:

Ein ernüchterndes Ergebnis, aber kein enttäuschender Auftritt. Mit etwas mehr Glück an den Brettern 1 und 3 wäre ein Punktgewinn möglich gewesen. Gegen den Topfavoriten der Liga zeigte Lengfeld I eine geschlossene und kämpferische Leistung – und dürfte mit dieser Einstellung in den kommenden Runden noch für Überraschungen sorgen.

 

Erfolgreicher Spieltag für unsere zweite Mannschaft

Unsere zweite Mannschaft konnte sich gegen Arnstein 2 mit einem knappen, aber verdienten 2,5 : 1,5 durchsetzen.
Für Lengfeld 2 holten Peter Schönmann und Moritz Jeschke jeweils volle Punkte, während Manuel Eisenmann ein sicheres Remis beisteuerte.
Am ersten Brett hatte Wolfgang Reul diesmal leider kein Glück und musste sich geschlagen geben.

Ein schöner Mannschaftserfolg – herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten!
Spielraum der 1. und 2. Mannschaft

 

Knappes 3½:4½ in Burggrumbach/Bergtheim

Wir haben uns im Teaser viel vorgenommen („Statement-Spiel“) – am Ende blieb’s ein Statement in Lernkurve: mutig aufgetreten, knapp unterlegen. Das Ziel bleibt: Ruhe bewahren, Chancen besser verwerten und im nächsten Spiel den ersten Mannschaftspunkt einfahren.

Matchverlauf in Stichpunkten

  • Früher Aufwind: 1:0 durch kampflosen Sieg an Brett 8 (Wolfgang Reul).
  • Topbretter solide: Remisen von Matthias Hofmann (Brett 1) und Günter Groß (Brett 2).
  • Der Mittelbau entschied: Zwei Niederlagen in Serie brachten uns ins Hintertreffen; Sergey Melnikov hielt mit Remis dagegen.
  • Anschluss hergestellt: David Eisenmann gewann an Brett 7 – am Ende fehlte ein halber Punkt zum Ausgleich.

 

Ja, wir haben den Ton im Vorfeld bewusst hoch gewählt. Nach dem Spiel gilt: Anspruch bleibt, aber wir drehen die Lautstärke etwas runter.

Die Liga ist eng; wer Punkte will, muss sie am Brett erzwingen. Wir nehmen das 3½:4½ als klare Arbeitsaufgabe mit – vor allem im Mittelspiel an den Brettern 3–6.

Wir greifen in Runde 2 wieder an – leiser im Teaser, lauter am Brett.

 

Kreisjugendeinzelmeisterschaft 2025

Der ganz normale Wahnsinn eines Schachturnieres oder: ein Glück, dass Kinder so sind wie sie sind….

Man kann es auch einfach „Kreisjugendmeisterschaft – ein Qualifikationsturnier für die unterfränkische Meisterschaft nennen. Kann man, muss man aber nicht.

Wofür spielen wir eigentlich Schach, warum tun sich die Trainer und Betreuer das an? Man könnte die Sonntage auch anders verbringen: bei einem Spaziergang im Wald, ein Radausflug, einfach zu Hause auf dem Sofa gemütlich in einem Buch schmökern, entspannt sich den Film ansehen, den man schon ewig sich ansehen wollte. Aber nein, irgendwas muss dieses „königliche“ Spiel an sich haben, dass man sich den ganzen Sonntag (Anreise bis 9 Uhr 15, Abreise grds. nicht vor 17 Uhr, also Rückkunft bis gegen 18 Uhr) um die Ohren schlägt, mit den betreuten Kindern und Jugendlichen fiebert, diese tröstet, wenn wieder einmal dieser blöde gegnerische Springer mittels Gabel einem die Dame klaut. Und dabei hat man doch sich voll konzentriert. Die Welt ist einfach ungerecht. Blödes Spiel, dieses Schach! Eindeutig! Der Gegner hat einfach nur Glück. Glück, dass man nicht selber seine Dame geschlagen oder ihn gar matt gesetzt hat. Und das beim ersten eigenen Turnier, bei dem man die (Schach-)Welt aus den Angeln heben wollte, den Gegnern zeigt, was man kann. Das erste Turnier: die Nacht davor kaum geschlafen. „Frühstücken? Ich habe keinen Hunger. Ich will jetzt los. Wie läuft so ein Turnier überhaupt ab?“

Mit diesen und anderen Gedanken ist wohl ein Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei unserer diesjährigen Kreisjugendmeisterschaft an den Start gegangen, für die es eben die erste Turnierteilnahme war. 73 Kinder und Jugendliche saßen sich an den Brettern in den 4 eigenen (U12, U14, U16, U18) und einer gemischten (U8 mit U10) Altersklasse gegenüber.

Da die Kinder und Jugendlichen auch alle pünktlich zum Turnier kamen, die Anmeldung (auf Grund der erfolgten Voranmeldungen) bereits um 9 Uhr 45 abgeschlossen war, konnten wir nach der Eröffnungsansprache, bei der nochmal die Regeln – v. a. im Hinblick auf die Handhabung der Regelverstöße – dargelegt wurden, die erste Runde um 10 Uhr 20 starten.

Dank der hervorragenden Unterstützung der Schiedsrichter aus Rottendorf, Jana Bardorz – U8/U10 – und Duy-Khang Tran (U12), Versbach (Peter Marx U14) sowie Stefan Memmel und Michael Eyring (jeweils TSV Lengfeld) verliefen die einzelnen Runden störungsfrei und reibungslos.

Die Turnierleitung hatte Katharina Senft, unsere Bezirksjugendleiterin, übernommen. Und das hat sie hervorragend gemacht. Nach der 3. Runde konnten wir eine kurze Mittagspause einlegen, bei der der Nachwuchs endlich einmal sich vor der Halle im Freien etwas austoben konnte.

Den üblichen Lärmpegel im Turniersaal in Kauf nehmen mussten v. a. die U16- und U18-Spieler. Kinder sind halt Kinder. Und das ist auch gut so. Sie sind lebendig, leben in ihrer Welt und toben herum und leben ihre Gefühle aus. Sie werden noch früh genug “erwachsen…”.

Trotz dieser Umstände gab es spannende Partien, Dramen an den Brettern. V. a. wenn sich die Spieler nicht einig sind, ob eine dreifache Stellungs- bzw. Zugwiederholung vorliegt oder nicht. Manch einer moniert die Regelverstöße des Gegners nicht und muss dann feststellen, dass man trotz zweier Damen und 1 Läufer gegen einen König mit einem Bauern noch verlieren kann, weil man selber den zweiten oder gar dritten Fehlzug begangen hat. Beim ersten eigenen Turnier kann man in 7 Partien so viel lernen, wie sonst in einem ganzen Schachjahr nicht…..

So wird Partie um Partie gespielt und nach 7 Runden stehen die Platzierungen fest. Zumeist setzen sich die Favoriten auf die Meisterschaft durch. Mitunter muss die Buchholzwertung herhalten, mitunter auch die verfeinerte Buchholzwertung. Und da in einer Altersklasse beim 3. Platz auch diese nicht hilft, haben wir zwei dritte Plätze. Demzufolge auch 2 Pokale.

Die Sieger der einzelnen Altersklassen:

  • U08/U10: Jaron Remo Flath (U10, 6 Punkte) gewann knapp vor David Eisenmann (U10, ebenfalls 6 Punkte, aber schlechtere Wertung) und Artem Oskin (U10, 5 Punkte). Bester Spieler der U08 war Qixi Wang (4 Punkte). Den Titel in der U10w gewann Elif Karimli (2 Punkte).
  • U12: Daniel Deng und Leo Keller teilten sich mit jeweils 6 Punkten die Spitze; aufgrund der besseren Wertung wurde Daniel Kreismeister. Anna‑Lena Sandt holte mit 5 Punkten den dritten Platz und zugleich den Titel als beste Spielerin der U12.

  • U14: Mit 5,5 Punkten sicherte sich Sourish De den Meistertitel. Auf Rang 2 landete Maxim Kyiashko (5 Punkte), Platz 3 ging an Simon Kuberek (4,5 Punkte). Beste Spielerin der U14 war Marie‑Eleni Schaab.

  • U16: Hier dominierte Sebastian Jadron, der alle 7 Partien gewann. Linus Wolpert folgte mit 6 Punkten auf Rang 2, während Valentin Düren mit 5 Punkten den dritten Platz belegte. Den Titel in der U16w gewann Hannah Koos (3 Punkte).

  • U18: Souverän mit 7 Punkten aus 7 Runden gewann Elmo Klein Murcia. Zweiter wurde Mateusz Migula mit 6 Punkten. Den dritten Platz sicherte sich David Kuberek (4,5 Punkte, bessere Wertung). Beste Spielerin der U18 wurde Gracia Remler (3 Punkte).

Siegerinnen/Sieger und Teilnehmende des TSV

Damit haben sich die Erstplatzierten in ihren Altersklassen auch für die unterfränkische Meisterschaft qualifiziert.
Alle Ergebnisse im Detail sind hier abrufbar:
https://jugend.ufra-schach.de/index.php/meisterschaften/meisterschaften-2025-2026/kreis-einzelmeisterschaften-2024-2025/

Lengfelder Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Aus Lengfeld nahmen insgesamt 11 Mädchen und Jungs teil.
In der U10 landete Remus Curtef bei seinem allerersten Turnier auf einem tollen 5. Platz, und David Eisenmann (schon fast ein alter Hase im Jugendschach) erreichte einen hervorragenden 2. Rang.
In der U12 belegten Eman Elsafty Platz 5 bei den Mädchen und Julian Heinrich (ebenfalls Erstturnier) Platz 15 bei den Jungs, während Toni Müller den 11. Rang erreichte. Daniel Deng „schoss den Vogel ab“ und belegte – bei 18 Startern in dieser Altersklasse – mit 6 Punkten aus 7 Partien den 1. Platz.
Ebenfalls einen 1. Platz errang bei den U14-Mädchen Marie-Eleni Schaab – Klasse!
Den Sprung auf’s Treppchen in der U16 verpasste leider Felix Oppmann durch eine Niederlage gegen den direkten Konkurrenten in der letzten Runde, während für Moritz Jeschke an diesem Tag nichts zusammenlief und so nicht mehr als der 7. Rang drin war.
Nicht viel besser erging es Savelii Klymenko bei der U18, der bei den jungen Herren nicht über den 6. Rang hinauskam. Leonie Pan konnte hingegen den Sprung auf’s Treppchen bei den U18-Damen schaffen – Platz 3 steht, wie schon vor einigen Jahren, erneut für sie zu Buche.

Da diese Kreisjugendmeisterschaft als Qualifikationsturnier für die Unterfränkischen Meisterschaften im Januar 2026 gilt, haben sich aus allen Altersstufen jeweils die ersten drei Mädchen und Jungs für dieses Turnier qualifiziert.
Wie bereits in den vergangenen Jahren finden diese Meisterschaften vom 02. bis 05. Januar 2026 in Bad Kissingen statt. Schon jetzt wünschen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg und noch mehr Freude für dieses Turnier!

Dass alle eine bildliche Erinnerung mit nach Hause nehmen können, liegt an unserem Fotografen W. Schmidtel, der es sich nicht nehmen lässt, fast 400 Mal im Laufe des Tages zu knipsen – mein Mitgefühl gilt seinem Oberschenkel 😊 – und so (nahezu) jeden Teilnehmer fotografisch unter https://tsvlengfeld.pixieset.com/kreisjugendeinzelmeisterschaft2025 verewigt.

Alle Kinder und Jugendliche gehen mit einer Urkunde und einem Pokal bzw. einer Medaille nach Hause. Die einen erschöpft, die anderen ein wenig traurig, andere glücklich und stolz. Wie Kinder und Jugendliche ebenso sind. Sie sind, wie sie sind. Toll!

Normalerweise enden Rapidturnier inkl. Siegerehrung gegen 17 Uhr. Da aber alle Partien ohne große Probleme über die Bühne gingen, konnte die Siegerehrung auf Grund der vorgefertigten Urkunden schon um 16 Uhr starten. Um 16 Uhr 20 hielten alle Kinder und Jugendliche ihre Urkunden, Medaillen und Pokale in den Händen, Fotos der Siegerehrungen waren geschossen und wir konnten allen Mitwirkenden (v. a. Katharina Senft) danken. Natürlich kam auch der Dank an die vielen Helfer im Hintergrund (Küchenteam und C. Jeschke für die Hilfe bei den Urkunden) nicht zu kurz.

Um 16 Uhr 30 war es also geschafft. Wir hoffen, auf ein baldiges Wiedersehen und wünschen den vielen Schachturnierneulingen, dass noch viele Schachturniere folgen werden.

Auf bald!
Matthias Hofmann

 

PS: Für Interessierte, hier nochmals die Einladung.